SPD-Bildungsexpertin Eva-Maria Stange fordert Abschaffung der Bildungsempfehlung

"Die Bildungsempfehlung, die den freien Willen der Eltern einschränkt, benachteiligt besonders Kinder aus bildungsfernen und sozial schwachen Familien. Die einzige Möglichkeit, allen Kindern sozial gerecht die gleiche Chance zu geben ist, die verbindliche Bildungsempfehlung durch eine intensive Beratung in der Grundschule und die freie Entscheidung durch die Eltern zu ersetzen", sagte die SPD Bildungsexpertin und amtierende Sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange heute zum Schuljahresende. "Wir dürfen es unseren Kindern nicht so schwer machen."

Mit der in Sachsen üblichen verbindlichen Bildungsempfehlung in Klasse 4 werde nur eine weitere soziale Barriere aufgebaut. Wer hier verreiße, treffe anschließend nur noch auf ein punktuell nach oben durchlässiges Schulsystem. Gerade Kinder aus Arbeiter- oder Migrantenfamilien würden bei gleicher Leistung oft schwächer eingeschätzt, von den Lehrern und von den Eltern. Ein Kind aus einer Arbeiterfamilie habe dabei im Vergleich zu einem Kind aus einer Akademikerfamilie eine rund siebenmal geringere Chance zum Besuch eines Gymnasiums. Selbst bei gleichen Leistungen hat ein Kind mit besseren Herkunftsbedingungen eine doppelt so große Chance für das Gymnasium empfohlen zu werden.

Kinder aus einem bildungsfernen Umfeld würden so gleich zweifach benachteiligt. Einerseits durch das familiäre Umfeld, weil die Eltern ihren Kindern oft keine akademische Laufbahn zutrauen. Andererseits durch das Schul-Umfeld, das die Kinder wegen erwarteter fehlender Unterstützung aus dem Elternhaus vor den hohen Anforderungen des Gymnasiums schützen will. Stange verwies vor diesem Hintergrund darauf, dass das frühe Trennen nach dem: "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten in Kröpfchen" - Prinzip im sächsischen wie im deutschen Schulsystem zu sozialer Spaltung wie vor 100 Jahren führe. "Einziger Ausweg im Interesse unserer Kinder ist die Verlagerung der Schullaufbahnentscheidung auf einen späteren Zeitpunkt. Jeder, der zehnjährige Kinder hat und vor der Frage steht, wohin es gehen soll, wird wissen, dass diese Frage einfach zu früh gestellt wird und sich wünschen, dass alle Kinder länger gemeinsam lernen könnten", sagte Stange abschließend.

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