Prof. Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), über Eva-Maria Stange

Politik ist Ausdruck von Qualität. Qualität in Bezug auf  Kenntnis, Wissen, Vermittlung und vor allem in Bezug auf deren Anwendung im politischen Alltag. Nach nahezu 30 Jahren Berufspraxis glaube ich, einschätzen zu können, ob sich ein Politiker für die Sache oder nur für den Machterhalt einsetzt. Da ich aus Überzeugung parteilos bin und diese Unabhängigkeit auch jedem empfehlen kann, der im heiklen Bereich der Kultur tätig ist, erlaube ich mir, eine grundsätzliche Frage zu stellen.   

In Sachsen habe ich in den letzten acht Jahren mit vier verschiedenen Staatsministern für Wissenschaft und Kunst gearbeitet. Viel Zeit habe ich diesen Jahren damit verbracht, unsinnige Management- und Verwaltungsmethoden, Einmischungen von Fach - und Sachunkundigen und Kompetenzüberschreitungen abzuwehren. Nach meiner Vorstellung ist die Politik für die Menschen da, genauso wie Bildung und Kultur kein Selbstzweck ist, sondern Bestandteil unserer Gesellschaft und damit auch für jeden zugänglich. Mit Frau Staatsministerin Eva-Maria Stange habe ich in all den Jahren zum ersten Mal erfahren, wie produktiv die Zusammenarbeit sein kann, wenn man sich für die Menschen und für die Sache und nicht in erster Linie für eine rigide Machtpolitik einsetzt. Mit Frau Staatsministerin Stange haben sich all die dramatischen Probleme, die wir in den letzten Jahren hatten, selbstverständlich nicht von alleine gelöst, aber wir haben gemeinsam versucht, Lösungswege zu finden. Mit der "Museumskonzeption" wurden Ziele vorgegeben, die selbstverständlich kontrovers diskutiert werden können. Aber endlich hat sich jemand getraut, klare Vorstellungen zu formulieren. Die Kultur und Kunst erfährt mit Frau Stange die notwendige Wertschätzung, sie ist nicht Mittel zum Zweck der Politik.

Ich selbst habe in all den Berufsjahren gelernt, nicht mehr viel an Fachkompetenz in der Politik zu erwarten. Frau Stange hat mich vom Gegenteil überzeugt. Und um es ganz persönlich zu formulieren: All das Schaulaufen, das man sich antrainiert hat, um sich überhaupt Gehör zu verschaffen, ist in der Zusammenarbeit mit Frau Stange so zwecklos. Hier wird uneitel, sachlich und ruhig entschieden, nie geht es um die Person, stets um den Inhalt, Fachkomptenz wird gesucht, nicht gefürchtet.

Und nun? Weshalb sage ich dies alles ungefragt? Weil ich mir Sorgen um die Zukunft mache. Weil ich Politiker in erster Line nicht nach Ihrer Parteizugehörigkeit - wir sind nicht gleichgeschaltet -, sondern nach ihrer Kompetenz und Kenntnis - und ihrer Menschlichkeit - beurteile. Kultur ist Sachsens höchstes Gut. Es hat verantwortungsbewusste Volksvertreter verdient.

Martin Roth

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