Kopftuchstreit: Ist Sachsen wirklich ein Land von Welt?

Dr. Eva-Maria Stange, stellvertretende Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, erklärt:

„Während der Ministerpräsident auf Werbetour in den Vereinigten Arabischen Emiraten weilt und mit der Weltoffenheit Sachsens wirbt, verbietet man in Sachsen muslimischen Schülerinnen den Zugang zur öffentlichen Schule nur weil sie das Kopftuch tragen. Öffentliche Schulen sind – nicht nur in Sachsen – dem Gleichbehandlungsgrundsatz und dem Grundgesetz verpflichtet, nach dem der freie Zugang zu Bildungseinrichtungen allen gewährt und die Freiheit der Ausübung des Glaubens gesichert werden muss. Kein Mensch darf wegen seiner Religion oder Herkunft benachteiligt werden. Das Kultusministerium hätte längst einschreiten müssen, wenn Schülerinnen offensichtlich diese grundgesetzlich geschützten Rechte beim freien Zugang zu einer öffentlichen Schule verwehrt werden. Stattdessen muss man erst tagelang prüfen und die Diskussion anheizen. Das ist unverantwortlich und zeugt von wenig Sensibilität.

Ob das Kopftuch als religiöses Symbol oder als Zeichen der Unterdrückung der Frau getragen wird, kann und sollte Gegenstand einer offenen gesellschaftlichen und Kulturen übergreifenden Debatte sein, die allerdings in Sachsen noch nicht einmal am Anfang steht.

Vielleicht kommt ja der Ministerpräsident auf seiner Weltreise zu der Einsicht, dass im eigenen Land noch viel Nachholbedarf in der Frage der Weltoffenheit zu leisten ist.“